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Tandberg 3014, was ist dran am Mythos ?

 

 

 

 

Das Tandberg 3014 ist ein echtes "State of the Art" Tapedeck. Über das massive LW das bereits im 3004 Premiere feierte, wurde ja schon genug geschrieben: Ein einzigartiges mittels diverser Motoren und Kopplungsriemen angetriebenes LW (Basisplatte=4mm Alu!). Grösstes Manko ist die enorme einseitige Zugbelastung der starken Wickelmotoren die deren Lager extrem belastet und verschleisst (Reparaturthread). Um den Gleichlauf auf den Wert von Capstan-DD's zu bringen, hat man die grössten bekannten Schwungmassen bei Tapedecks verwendet und sich eine komplizierte Bandzugsteuerung, inklusive Titelsuchlauf ausgedacht. Wie ein Rennwagen reagiert es auf geringste Veränderungen im Setup, sprich der Cassette.

 

Was schreibt Tandberg zu ihrem 3014?

 Gearbeitet wurde nach der gleichen Entwicklungs-Philosophie, die die Qualität der Klangreproduktion der gesamten Serie 3000 bestimmt.

-  Das TANDBERG TCD 3014 hat keine IC's im Signalweg; Ausnahmen davon bilden lediglich die Dolby-Prozessoren. Statt dessen werden die einzelnen Bauteile nach besten Daten lür Rauschen,Ton­qualität, geringe Verzerrungen sowie größtmögliche Verstärkung und Stabili­tät selektiert.

-  Im Signalweg werden nur Polystyrol­ oder Polypropylen- anstelle von Elektrolyt- bzw. Keramik-Konden­satoren verwendet. So wird bestmög­liche Tonqualität und ein möglichst geringes Maß an Blindwiderstand zwischen den Stufen erreicht.

-  Es wurden im TCD 3014 Phasenkompensalions- und sehr breitbandig arbeitende Schallungen eingesetzt, um jeglichen hörbaren Abfall in Klang und Räumlichkeit zu vermeiden.

-  Dyneq. TANDBERG-patentiertes System zur Verbesserung der Aussteuerbarkeit, trägt dazu bei die Einschränkungen bei hohen Frequenzen, die bislang untrennbar mit der Aufnahme auf Cassetten verbunden waren, zu über­winden.

Erreicht wird dieses durch dynamische Aufnahmeentzerrung (DYNamic record EQualizer), die die Höhenanhebung während der Aulnahme steuert und dadurch eine Aufnahme mit höherem Pegel ohne Höhenverlust ermöglicht.

-  Actilinear II ist ein ebenso großer Fortschritt auf dem Weg, den „typischen Cassettenklang" zu überwinden, wie es TANDBERG'S Enlwicklung Actilinear I gewesen ist. Actilinear II beinhaltet einen völlig neu konzipierten Steilheits-verstärker, der Signal und Vormagneti­sierung als reine Spannung aufnimmt und sie in reinen Strom umwandelt. Actilinear II ist ein Verstärker in Laborqualität, der so breitbandig ist, daß er die Vormagnelisierungsfrequenz in Rechteckform durchlassen kann.

Er ist völlig symetrisch aufgebaut und ermöglicht die Erhöhung der Über­steuerungsgrenze des Aufnahmever­stärkers um mehr als 20 dB. Die Impedanz des Aufahmekopfes ist vom anliegenden Signal nahezu unabhängig.

 

Alles was Tandberg da beschreibt entspricht auch meiner Philosophie. Die Tandberg Entwickler hatten das Ziel den Live-Character einer Aufnahme und deren Dynamik mit Hilfe aufwendiger diskreter Schaltungen für geringsten Klirr und Rauschpegel zu erhalten. Zum Beispiel ist die Dolbyschaltung sehr ungewöhnlich, und zeigt das man versucht hat mit unkonventionellen Mitteln zu besseren Ergebnissen zu kommen als die Konkurrenz. Damit waren sie ihrer Zeit weit voraus. Erst Ende der 1980er begannen grosse Hersteller das Konzept jetzt für ihre HiEnd CD-Spieler zu kopieren und bauten voll diskrete Opamps als Ausgangsstufen ein, zB beim Grundig 8400MKII

Die Ausstattung lässt nichts zu wünschen übrig, vom Echtzeitzähler bis Musikstück Anwahl, Cueing, Punch-In Recording und zwei Geschwindigkeits-suchlauf ist alles da. Das beste: alle Doppel-Tasten Funktionen lassen sich auch mit der Fernbedienung anwählen !

Leider waren sie gezwungen kaufmännische Kompromisse zu machen beim Gehäuse und Platinenmaterial, Zukauf von Komponenten aus Fernost usw. Am Ende war der technische Aufwand über die gesamte Bauzeit der 3000er Serie derartig hoch, übrigens der längsten überhaupt im Consumer-markt, daß das Unternehmen gleich mehrmals in die Insolvenz gerutscht ist. Herausgekommen sind dafür Audio Komponenten außer dem 3014, zB. der Tuner 3001, die man in der HiFi Historie als "einzigartig" bezeichnen kann. "State of the Art" eben....

 

Wo viel Licht ist, gibts auch Schatten

Beim Service kommt man ohne den gesamten Fuhrpark an Cal-tapes und Lehren plus viel Erfahrung nicht aus. Der Bandzug und die Reibwerte/Anpressdruck der beiden Capstanwellen sind penibelst einzustellen. Das heisst links mit relativ viel Schlupf (einstellbar über Federposition), rechts mit genau passenden Anpressdruck (über Exzenterschraube einstellbar). Dagegen ist ein Dragon (fast) ein Kinderspiel beim Abgleich.

Fremdbandwiedergabe ist aufgrund der Sensibilität auch nur mit hochwertigen Shells, guten Aufnahmen und entsprechendem perfekten Azimuth möglich. Das Gerät verzeiht im Bandlauf nicht den geringsten Fehler !

Hauptproblem ist der im Servicemanual falsch angegebene Dolby Kalibrierlevel. Das scheint allerdings ein weit verbreitetes Kuriosum der allerersten Decks aus 1981 zu sein die mit Dolby-C bestückt wurden. Ausser bei Tandberg habe ich das auch bei einem Dual C844 festgestellt, der ja ebenfalls von Sanyo gebaut wurde. Exakt mit denselben Falsch- und Richtigwerten. Dazu hat sich vor kurzem auch noch der Revox B 710MKII gesellt. Allen gemeinsam sind "National" Dolby chips. Ob's da ein Problem in den Datenblättern gab lässt sich heute nicht mehr sagen.

Aus heutiger Sicht ist dieses Desaster aus der Anfangszeit von Dolby-C aber mit Sicherheit für den immer noch tief sitzenden Frust und die Ansichten vieler Tapedeck Besitzer über die In-Kompatibilität von Dolby-C veranwortlich. Bei dem Revox ist das Gap noch eklatanter und nur noch haarscharf am Limit der Einsteller hin zu bekommen. Denn, statt wie angegeben 0,775V muss man jetzt 1,23V am Ausgang einstellen. Das entspricht exakt dem amerikanischen Studiolevel Standard von +4dB. Auch da muss es ein Missverständnis bei der Auslegung der Dolby Platinen gegeben haben.

Hier der Fehlerteufel mit dem 99% aller 3014 eingestellt sind :

 

DruckfehlerDruckfehler

 

Der Bezugspegel ist 250nW/315Hz für 0dB (Peak Meter Einstellung). Mit einer original 200nW/400Hz Dolby Cassette misst man auf der Dolbyplatine an TP4=680mV (nicht 580mV wie angegeben), dann steht der Instrumentenzeiger mittig auf dem Doppel-D Symbol.

Beachten sollte man auch das der automatische EQ Umschaltungsfühler in der oberen Abdeckung gerne hakt. In dem linken Recording panel wird nur der Bias und Löschstrom umgeschaltet, nicht der EQ !

 

 

Der Weg zu einem tadellos funktionierenden 3014

Die allermeisten 3014 sind nicht korrekt eingestellt. Das fängt bei der falschen Dolby Kalibrierung an und hört bei der extrem sensiblen Bandlaufeinstellung der Köpfe auf. Das haben wahrscheinlich die wenigsten Werkstätten richtig gemacht. Der Bandlauf ist aufgrund der relativ weit auseinander liegenden Köpfe, und insbesondere wegen der Metallführung am Löschkopf, sehr kritisch gegenüber Höhe, Azimuth und verkippen. Die Spurhöhe lässt sich zum Beispiel nicht mit den bekannten Narrow-Track tapes 9007 von Nakamichi einstellen. Das funktioniert ausschließlich über genaue Azimuthbänder, das heisst mindestens 12,5Khz, besser 15Khz tapes.

Bei Doppelcapstan-Antrieben bei denen beide Wellen den selben Durchmesser und Oberfläche haben, wie beim 3014 auch "A" muss zum Entstehen von ausreichend Bandzug, der Grip der Gummirollen unterschiedlich ausgelegt werden. Die abgebende Welle muss eine gewisse Schlupf-Differenz zur aufnehmenden Rechten haben. Tandberg benutzt dafür einmal verschiedene Durchmesser der Capstanrollen. Links kleine Auflagefläche, rechts eine Große. Entscheidend beim Schlupf ist nur der Überstand der Gummirolle. Also das was oben und unten über das Band herausragt und direkt an der Welle anliegt. Nur dort muss die linke Welle am Gummi leicht rutschen können, am Band nicht ! Durch diesen minimalen Versatz ensteht jetzt die notwendige Bandspannung für guten Band-Kopfkontakt. Die Rolle sollte optimalerweise, dafür leicht Fassförmig aussehen um das zu gewährleisten.

Im Bild ist das noch nicht nachgearbeitet (mit Holznagelfeile und viel Gefühl) wie man sieht. Die Rollen sind viel zu "gerade" auf der Lauffläche:

 

 

Dadurch kommt es jetzt zum berüchtigten "Tape-skewing" (einem durchrutschen des tapes zwischen Welle und der oben und unten anliegenden Rolle = Es entsteht kein Bandzug!) Die Mehrzahl der 3014 Besitzer können ein Lied davon singen. Das fassförmige Nacharbeiten, in dem man die Rollenkanten quasi bricht, ergibt einen stark verbesserten Grip des tapes (mehr Anpressdruck mittig) und jetzt deutlich weniger Anpressdruck des Überstandes an der Welle.

Dazu gibt es getrennt einzustellende Anpresskräfte. Links mittels Andruckfeder (muss am linken Ende um 5mm gekürzt werden, da nach 30 Jahren die Federspannung abgenommen hat, sie ist im Ruhezustand voll gespannt!) mit drei Rastpositionen (immer die unterste stärkste Position wählen auch bei gekürzter Feder!) und Rechts mit zusätzlichen Exzenter. Die Einstellung des Exzenters so vornehmen das direkt nach dem drücken von "Start" kein skewing mehr zu hören ist. Damit geht beim Start die rechte Rolle eine Winzigkeit vor der linken Rolle an die Welle und strafft das Band bevor die linke Rolle bremsend eingreift. Damit habt ihr den komplizierten 3014er Bandzug perfekt eingestellt !

Was ebenfalls zu schlechtem Bandzug beiträgt, sind verharzte Schwingarme der Rollen. Unbedingt prüfen und gegebenenfalls gangbar machen. Die müssen bei ausgehängter Feder völlig frei beweglich sein.

Falls die Rollen mal wieder mit der Feile nachgearbeitet werden müssen, empfehle ich die Rechte mit Nagelfeile plus folgender Platenclenereinigung aufzuarbeiten. Links aber nur den Einsatz von Platenclene um den dringend benötigten Schlupf zu Rechts weiter aufrecht zu halten. Beim A-Modell kann man beide Gummirollen mit Feile nacharbeiten. Der benötigte höhere Grip Rechts ist auf jeden Fall duch die Mattierung gewährleistet.

Viel einfacher macht sich das zB Nakamichi. Durch die unterschiedlichen Wellendurchmesser von abgebender und aufnehmender Welle braucht es keine Schlupfdifferenz im Grip. Der optimale Bandzug ensteht fast ausschliesslich durch die minimal unterschiedlich Drehzahlen beider Wellen. Jetzt wisst ihr warum der 3014 so sensibel auf den Zustand der beiden Capstanrollen reagiert und das den Nakamichi Decks (fast) völlig fremd ist. Mit dem "A" Modell wurde dieses entscheidende Funktionsdetail geändert. Der 3014"A" ist im Bandlauf wesentlich "gutmütiger". Auch viele andere Hersteller wie zB Revox haben das entsprechend in ihren LW vom B215 nach und nach geändert.

Der mangelhafte Bandzug+falscher Dolbylevel sind die Ursachen für die allseits bekannte "schlechte"  Wiedergabe fremd bespielter Bänder beim Tandberg 3014.

 

Ob der ganze Aufwand sich rechnet ?

Bei Aufnahme und Wiedergabe spielt der Tandberg auf Bandmaschinen Niveau wenn die Cassette es hergibt. Vorzugsweise mit "Metal" Cassetten. Klare saubere Mitten, eine sehr gute Raumwiedergabe, Punktgenaue Abbildung der Bühne, Aufnahmen von Live-Konzerten klingen nahezu gespenstisch realistisch. Ein Traum....

 

Der 3014 im Testspiegel

Hier der Test aus HiFi Stereophonie im Oktober 1983 mit der Preisliste allerdings schon von 1996 eines gewissen "Herrn Schmidt" vom Tandberg Zentral Service...

Hier der Test aus Stereoplay 05/1984 wo man am Wiedergabefrequenzgang mit Dolby-B eindeutig die Fehleinstellung erkennt. Was die Tester auch bemängelt haben.

Leider haben die allermeisten Magazine nicht so gründlich gemessen und entweder den reinen Wiedergabefrequenzgang ohne Dolby oder nur den Frequenzgang kumuliert in Aufnahme und Wiedergabe gemessen, bei der eine falsche Dolby Kalibrierung unter den Tisch fällt. Die Dolby Kalibrierung ist ja notwendig um Austauschbarkeit zu gewährleisten. Bei meinen über 20 Decks und eben soviel Walkman ist das schon frustrierend wenn das nicht gegeben ist. Ein user aus dem TH hatte deshalb sogar mal extra neue Dolby Chips eingebaut, weil er dachte die alten seien "defekt"....

Hier der englischsprachige Test von Ken Kessler in der HiFi News vom August 1987. Wegen der Bindung im Heft mußte ich einige Seiten um 180° verdreht scannen. Das lässt sich ja aber in der Ansicht schnell ändern.

 

Was hat der NAD 6300 mit dem 3014 zu tun ?

Der 6300 hat die gleichen Gene mit "DynEQ licensed by Tandberg", und der resultierende Klang ist verblüffend ähnlich. Wobei sich die Frage aufdrängt, ob nicht auch beide Deck's aus der selben Tandberg Entwicklungsfeder stammen? Bjørn Erik Edvardsen war Norweger, das er einen guten Draht zu den Tandberg Entwicklern der 3000er Serie hatte, liegt auf der Hand. Seine guten Verbindungen (Dolby Labs) und internationale Vernetzung wurden sogar im NAD Monitor katalog als Grund für das Auflegen dieser Serie erwähnt.

Zitat:

"So ungewöhnlich wie die Geräte sind auch die Ideen hinter NAD: Nur wer engen Kontakt zu den Käufern hat, kennt ihre Wünsche genau. Händler und Vertriebsspezialisten aus über 30 Ländern haben deshalb ein gewichtiges Wort bei der Planung neuer Geräte mit­zureden. Mit den Ingenieuren aus der Entwicklungsabteilung und freien Be­ratern entstehen so die neuen Produkte. Mit Ideen die nur in NAD-Ceräten so konsequent in die Praxis umgesetzt werden.
NAD beschäftigt weltweit die besten Experten und Spezialisten für hochwertige Musikwiedergabe an neu­en Entwicklungen. Nur die Kombina­tion einer ungewöhnlichen Firma und Philosophie konnte Geräte und Pro­blemlösungen kreieren, die schon zu ih­rer Zeit zu legendärem Ruhm kamen. Neu von NAD ist die Monitor-Serie. Sie repräsentiert in Technik und Hörqualität einen höheren Standard als die bekannte Classic-Linie. Wiederga­bequalität und Ausstattung ergänzen sich perfekt. Einige Beispiele: Der 6300 war das erste Cassettendeck der Welt mit Dolby HX PRO* und DYNEQ* gleichzeitig; der 4300 ist ein Tuner mit ungewöhnlich hoher Empfindlichkeit, für 50 dB Rauschabstand in Stereo sind nur 34dBf Eingangssignal erforderlich (3001 ich hör dir trapsen). Der Receiver 7600 leistet mehr als 1200 Watt unverzerrte dynamische Aus­gangsleistung. Die Monitor Serie wurde von Testern und Gerätebesitzern mit höch­stem Lob bedacht."

1985 war Tandberg schon wieder pleite und die Tandberg Entwickler endgültig arbeitslos. Also wenn man beide Decks besitzt fällt einem das eigentlich wie Schuppen von den Ohren....Augen mein ich....Ich würde sogar noch weiter gehen, da alle anderen "NAD Monitor" Geräte vom Tuner bis CD Spieler ebenfalls die selbe Klangphilosophie (Dynamik, Auflösung, Räumlichkeit) haben, kann ich mir gut vorstellen das die (ehemaligen?) Tandbergentwickler im Auftrag von BEE die gesamte Serie kreiert haben. Was deren "plötzliches" Auftauchen mit all den auch für NAD neuen Schaltungsdesigns wie Power Envelope usw. erklären würde.

 

Edit:

Per Zufall habe ich heute in einen Beitrag (zum Tandberg 3012 Verstärker) von "ejr1953" von 2016 im Audiogonforum das dazu gefunden :

"Beeindruckend! Hatte den Namen "Tandberg" schon eine Weile nicht mehr gehört.
Ich habe in der Zeit von 1979 bis 1981 bei einem Tandberg-Händler in DC gearbeitet, hatte einige Zeit einen TR2080 und habe den Sound sehr genossen. 1980 machten meine Frau und ich eine Reise durch Skandinavien, hielten an und besichtigten die Fabrik in Oslo, genossen das Mittagessen mit einem ihrer Ingenieure, die wie ich meine, damals vom sinkenden Schiff zu NAD gewechselt sind.

 


Ich glaube, die Tandberg Audio Company existiert nicht mehr, sie bietet jetzt Konferenz- und Datenprodukte an. Aber wenn Sie ein altes Tandberg-Produkt kaufen, sagt einer meiner Technikfreaks, dass Sie es jederzeit reparieren lassen können, wenn Sie den Schaltplan haben."

Damit schliesst sich die Beweiskette mit einem Augenzeugenbericht. Die Urheberschaft für den aussergewöhnlichen 6300 und die innovative NAD Monitorserie liegt definitiv bei den abgewanderten Tandberg Ingenieuren. Wobei die ersten schon überraschend früh zu NAD kamen. Auf der anderen Seite erklärt das die herausragenden Tapedecks die seit 1980 unter dem Namen "NAD" erschienen sind.

 

Absolute Referenz ?

Die Aufnahmen eines korrekt kalibrierten 3014 mit Dolby-C klingen auch in einem Dragon oder Revox B215 überragend und sind durchaus "Referenz" verdächtig. Übrigens arbeitet der TCD 3014 mit dem selben "alten" IEC1 EQ wie Nakamichi. Mit dem IEC 1981 Referenzband gibt es oberhalb von 10.000 Hz einen allmählichen Anstieg auf + 2,4 dB bei Eisen (III) und +3,8 dB bei Chrom / Metall bei 18.000 Hz.

Das Tandberg 3014 reagiert direkt mit einer unlinearen Aufnahmekurve (siehe Plot) wenn man die falschen Bänder auswählt, bzw die Bias- und Record Current Einstellung nicht nach Handbuch vornimmt. Man bringt zuerst den Bias bei 15khz und 315Hz auf identischen Zeigerausschlag (Wert ist egal) und stellt dann den Level bei 315Hz auf "0"dB an der oberen Skala auch für metal ein. Das wars. Viele versuchen den Bias bei 15Khz auf "0dB" einzustellen, das ist falsch und funktioniert nicht.

Im Widerspruch zu den im Manual aufgeführten maxell XLII "S" sollte man die ohne "S" wählen. Das ergibt einen glatten Frequenzgang. Der viel gelobte Bass besitzt ein leichte Welligkeit mit ensprechendem Abfall, wie man sie nur von von Kombiköpfen kennt. Im realen Betrieb fällt das aber nicht weiter auf. Der CR7 ist durch den "pressure pad lifter" gegen diese Art von Kopfspiegel Resonanzen weitestgehend immun. Zum besseren Vergleich hier mal ein paar Plots aus einem zeitgenössischen Test von Nakamichi CR7, Tandberg 3014A, Revox B215 und Luxman K109.

 

Test 1988Test 1988

 

Was dem Gerät mit Sicherheit zu einem grossen Teil zu seinen guten "Ruf" verholfen hat, ist der Doppellamina Wiedergabekopf von Canon mit dem für Sendust sehr hohen Q=3.7 bei 10kHz. Dieser Kopf wurde später als "bigger gap grade" auch im NAD 6100 als Kombikopf eingesetzt und sorgt dort für eine, für ein Zweikopfdeck schon spektakulär zu nennende, Aufnahme/Wiedergabe Qualität.

 

 Der Weg vom TCD300 bis zum TCD 3014

Alle Tandberg Kassettenrecorder basieren auf der zugekauften Exclusiv-Lizenz eines Sony Patent von 1972:

US 3949422 A

 

Die Sony-Lizenz Kopfbrücke (22) aller Tandberg Geräte mit Löschkopf (114E) in der linken Bandführung

 

Sony Patent 1972Sony Patent 1972

 

 Das Sony-Lizenz Laufwerk der Tandberg TCD 300/400er Reihe mit den drei Motoren und Doppelcapstan

Nakamichi hat für seine 1000/700er Serie, ebenfalls ein LW aus dem Hause Sony verwendet, das des Sony TC 177 SD

 

Laufwerk Patent von Sony 1972Laufwerk Patent von Sony 1972

 

 Die "Tandberg Radiofabrik"  wurde nach der Pleite im Dezember 1978 verstaatlicht. Zur Absicherung der laufenden Produktion war im April des Jahres ein Kooperationsvertrag mit Siemens geschlossen worden. Danach teilt Tandberg  dem Firmengründer Vebjørn Tandberg am 30.August mit das er ab sofort von seiner Beratungstätigkeit entbunden sei (Im Ruhestand seit 1973). Woraufhin er sich noch am Abend des selben Tages mit Schlaftabletten das Leben nahm. Letztendlich war das der Startschuss bei Tandberg S.A. als Vermächtnis ihres Gründers Komponenten zu kreieren die damals und auch heute noch unerreicht in Aufwand und Qualität sind. Die 3000er Serie ist Denkmal und Krone zugleich für das Lebenswerk von Vebjørn Tandberg.

 

Das für Tandberg's Entwicklung entscheidende Jahr 1978 im chronologischen Ablauf :

 

"Die Reorganisation geht weiter. Der Plan der Regierung vom 20.12.77 wird angenommen.

(a) Sanktionierung von Staatsdarlehen in Höhe von kr. 55 Millionen,

(b) Abschreibung des alten Aktienkapitals (18,6 Mio.);

(c) Aufsichtsrat unterzeichnet neues Aktienkapital von 40 + 80 Mio. NOK,

(d) Entwicklungsunterstützung von NOK. 15 Millionen im Jahr 1978.


Die Unternehmensversammlung nimmt (18.05.78) auf Empfehlung des Verwaltungsrats an, den Betrieb von TR 2 (Hochhaus Kjelsås), TR 5 (Sandvika), TR 6 (Notodden) und TR 7 (Haddington) einzustellen und damit 36.000 m² freizugeben.

Der Personalabbau erfolgt mit einem Netto von 400 Personen.

Eine Reihe von Entwicklungsprojekten wird initiiert (Start der legendären 3000er Serie) und die Marktstrategie ändert sich entsprechend der geänderten Produktstrategie.

5-Jahres-Rahmenvertrag (17.04.78) mit Siemens beinhaltet die Lieferung von Computerprodukten mit min. kr. 40 Millionen. Siemens erhält einen Lizenzvertrag mit der Möglichkeit der Eigenproduktion (Technologieübernahme für die ITT Consumer Sparte).

Vebjørn Tandberg tritt am 30.08.78 zurück.

Der Aufsichtsrat wird informiert (04.10.und 13.11.), Dass das Verkaufs- und Betriebsbudget für 1978 nicht gültig ist. Aktualisierte Prognosen generieren einen Umsatz von 510 Mio. NOK (530 Mio. NOK) und einen Verlust von 90 Mio. NOK (45 Mio. NOK).

Während der Planung des Haushalts (1979-81) wird deutlich, dass Liquidationsprobleme auftreten, die nur der Staat durch weitere staatliche Beteiligung lösen kann.

Nach einem Leck in der Presse über Unstimmigkeiten zwischen dem Vorstand und den Mitarbeitern in Bezug auf den Betrieb von 1979 sperrt Kreditkassen das Überziehungskonto der Bank und schließt sich der Hypothekenurkunde an.

In der Hauptversammlung (11.12.78) erklärt der Verwaltungsrat die Insolvenz der Gesellschaft. Die Generalversammlung (dh der Industrieminister) fordert den Verwaltungsrat auf, kurzfristige Operationen zu prüfen, während weitere Untersuchungen durchgeführt werden, da die Regierung bereit ist, Vorschläge für die Hinzufügung von bis zu NOK zu fördern. 50 Millionen an staatlichen Mitteln. Der Verwaltungsrat ist der Ansicht, dass es gegen zwei Stimmen nicht gerechtfertigt ist, diese Bedingungen fortzusetzen (13.12.78), und die Generalversammlung beschließt einstimmig, den Verwaltungsrat aufzufordern, einen Antrag auf Insolvenz des Unternehmens zu stellen.

Das Osloer Nachlassgericht (14.12.78) entscheidet über Insolvenz."

 

Tandberg belieferte damals die Datensparte von Siemens mit Datenlesegeräten. Siemens musste unbedingt einen gerade erteilten 15Millionen DM Auftrag sicherstellen, und hat sich deshalb in die neue Firma Tandberg Data eingekauft. Bestandteil des Siemens-Tandberg Deals mit dem norwegischen Staat, war es das, die sich jetzt zu 100% im Staatsbesitz befindliche neue "Tandberg" SA in Kjeller, "Siemens/ITT" fünf Jahre lang als OEM belieferte. Das waren in erster Linie Computermonitore und Datenlesegeräte, aber auch Consumergeräte. Das führte dazu das die gesamte 1980er ITT Palette von Tandberg mit Technologie und Teilen, bzw ganzen Geräten versorgt wurde. So findet man zB. die Tandberg 3-Kopfbrücke aus den TCD 340 decks im ITT8025 wieder und das ITT3020 ist gar ein kompletter Klon des Tandberg 3034. Wer sich also verwundert die Augen gerieben hat, als die "Billigmarke" ITT 1980 plötzlich gleichstromgekoppelte 2x 160Watt Verstärker und herausragende Receiver und Tuner und sogar gute 3-Kopfdecks bauen konnte, weiß jetzt warum. Tandberg lies jetzt ebenfalls Baugruppen/Platinen der 30xx Serie wesentlich kostengünstiger bei dem asiatischen OEM Lieferanten der ITT-Siemens Gruppe, Sanyo fertigen. Die ausgelagerten Zulieferkomponenten der 30xx Serie wurden also ziemlich sicher, genau wie der komplette 3034, auf den selben Fertigungsstätten in Fernost produziert, auf denen ein paar Jahre später, Tandberg Audio war 1985 schon wieder pleite und die DynEQ Lizenz offensichtlich Bestandteil der Konkursmasse die sich Bjørn Erik Edvardsen sicherte, auch der NAD 6300/6100 das Licht der Welt erblickte. Die Gemeinsamkeiten sind unüberseh- und auch unüberhörbar. Letzter Eigentümer war die Plattenfirma "Akers Mic", die 1999 abgewickelt wurde.

 

 

 

Am Gehäuse des 3014 erkennt man das diese Geräte nicht mehr komplett "Made in Norway" sind. Die aufwendigen eloxierten Alugehäuse der 3000er Serie musste man aus Kostengründen streichen. Man hat sich im schon vom 3034 bekannten Siemens-Sanyo Zulieferer Baukasten bedient. Die Gehäuse sind mit 45x16cm Frontplattengrösse dieselben, die Sanyo auch schon für die US Marke B.I.C. verwendet hat. Dieses aus kaufmännischer Sicht "Spargehäuse", ist komplett das Gegenteil der aufwendigen Nakamichi's mit ihren Barebone-Rahmen und oberen und unteren Abdeckplatten, die einen einfachen Zugang zur Elektronik ermöglichen. Beim 3014 muss das halbe Deck zerlegt werden um an das Mainboard von der Bestückungsseite heran zu kommen. Siemens Unterlieferant Sanyo hat die zugelieferte OEM 3-Kopfbrücke von Tandberg auch in viele andere Geräte von Marantz, ITT, Phase Linear, Mitsubishi  verbaut.

 

ProduktionProduktion

 

Das 1983 paralell erschienene proffesionelle 910er war dem Musikassettenboom in den USA geschuldet und wurde von Tandberg of America in Armonk NY (gegründet 1969), bei der "neuen" Tandberg Audio SA initiert. Das im Pleitejahr 1985 erschienene 911 als reines Playback Deck wurde auch bei Profis nur selten geordert. Man wird aufgrund der äußerst geringen Stückzahl (keine 100Stk.), auch den Verdacht nicht los, daß es sich um simple "Resteverwertung" zur Schuldentilgung gehandelt haben könnte, da wahrscheinlich nicht mehr alle Platinen und Bauteile des 910er (Köpfe?) verfügbar waren nach dem zweiten Konkurs. Danach wurde das 3014/910 offziell nicht mehr hergestellt. Es gab nur noch Abverkauf von Lagerware. Nach der Übernahme durch Akers Mic in den 1990er Jahren sollen noch welche aus Ersatzteilbeständen auf Bestellung  gebaut (4Monate Lieferzeit) und für ca. 4000$ noch 1998 durch  "Jason Scott Distribution" in den USA verkauft worden sein.

In den USA, dem Nakamichi Hauptmarkt gab es das 3014 und auch das 910 zum "Kampfpreis" von nur 1395$. Der Vorgänger 3004 wurde 1980 noch für 2395$ angeboten. Zum Vergleich : Dragon=2455$, NAD 6300=899$ ! Mein Tandberg 3014 mit der frühen Seriennummer 442 war ein Garagenfund in entsprechendem Zustand aber wenigstens komplett mit der sonst immer fehlenden Cassettenfachabdeckung. Allein die mechanische Säuberung und Aufarbeitung hat dann auch inklusive Drehbankbesuch der Capstanschwungmassen+Pulley mehrere Wochen gedauert bis es dann von Herrn Schmidt vom Tandberg Zentralservice Deutschland neu kalibriert werden konnte. Auch wurden einige spätere Werks-Updates gemacht und zum Schluss noch das originale FB Modul nachgerüstet. Leider habe ich nur die silberne RC20T. Wer eine schwarze über hat kann mich gerne kontaktieren. Nach insgesamt 14 Monaten hatte ich es wieder. Die aktuell in der Bucht genannten Preise >3,5k€ halte ich für ein vom Spezialisten überholtes 3014 durchaus für grechtfertigt. Das TCD 3014 Tapedeck von Tandberg ist technisch und klanglich einmalig.

 

Hier als Abschluss der wunderschöne Prospekt zur 3000A serie.

 

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