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 .....und was ist mit dem Tandberg 3014 ?

 

 

 

 

Der Tandberg ist ein absolutes Meisterstück und zugleich eine echte Mimose. Die Bedienung lässt sich ohne Manual nur auf die Grundfunktionen beschränken. Beim Service kommt man ohne Tools wie eine WHS300 nicht aus. Der Dolby Level ist falsch angegeben. Hier der Druckfehlerteufel mit dem 99% aller 3014 eingestellt sind :

 

DruckfehlerDruckfehler

 

Der Bezugspegel ist 250nW/315Hz für 0dB (Peak Meter Einstellung). Mit einer original 200nW/400Hz Dolby Cassette misst man auf der Dolbyplatine an TP4=680mV (nicht 580mV wie angegeben), dann steht der Instrumentenzeiger mittig auf dem Doppel-D Symbol. Bei Verwendung der Tandberg Cassette No.24 MUSS man an den Play 700mV Ausgangsbuchsen "750mV" messen !

Beachten sollte man auch das der automatische EQ Umschaltungsfühler in der oberen Abdeckung gerne hakt. In dem linken Recording panel wird nur der Bias und Löschstrom umgeschaltet, nicht der EQ !

Ob der ganze Aufwand sich rechnet ? Bei der Aufnahme und Wiedergabe setzt der Tandberg Maßstäbe. Klare sehr saubere Mitten, eine sehr gute Raumwiedergabe. Punkgenaue Abbildung der Bühne, das lässt auch den etwas schwachen Tiefbass vergessen. Verblüffend ähnlich klingt der NAD 6300. Wobei sich die Frage stellt, ob wohl nicht doch beide Decks dieselben Väter haben (siehe unten) ? Im Alltag ist der NAD 6300 der bessere "3014". Einfachere Bedienung, dazu der perfekte Tiefbass, die Dynamik ist die selbe, einzig in der Auflösung kann der 3014 einen Tick mehr. Wer keine 50.000€ Lautsprecher hat wirds nicht merken. Klanglich (Playback) am nächsten und mit viel besseren Bandlauf ist der ASC 3001 das Maß der Dinge.

Der Tandberg krankt an einer unlinearen Aufnahmekurve wenn man die falschen Bänder auswählt, bzw die Bias- und Record Current Einstellung nicht genau nach Handbuch vornimmt. Im Widerspruch zu den im Manual aufgeführten maxell XLII "S" sollten man die ohne "S" wählen. Das ergibt einen glatten Frequenzgang. Auch der so viel gelobte Bass leidet an starker Welligkeit mit ensprechendem Abfall, wie man sie eigentlich nur von Kombiköpfen kennt. Der CR7 ist durch den "pressure pad lifter" gegen diese Art von Kopfspiegel Resonanzen weitestgehend immun. Zum besseren Vergleich hier mal ein paar Plots aus einem zeitgenössischen Test von Nakamichi CR7, Tandberg 3014A, Revox B215 und Luxman K109.

 

Test 1988Test 1988

 

Tandberg hat versucht den Live-Character einer Aufnahme und deren Dynamik mit Hilfe aufwendiger (diskreter!) Schaltungen zu erhalten. Die Dolbyschaltung ist sehr ungewöhnlich, und zeigt das man versucht hat mit unkonventionellen Mitteln zu besseren Ergebnissen zu kommen als die Konkurrenz. Leider waren sie gezwungen kaufmännische Kompromisse zu machen (siehe unten). Die allermeisten 3014 sind nicht korrekt kalibriert (siehe Test) Das fängt bei der falschen Dolby Level Kalibrierung an und hört bei der extrem sensiblen Bandlaufeinstellung der Köpfe auf. Das haben wahrscheinlich die wenigsten richtig gemacht. Daher die allseits bekannten in-kompatiblen Dolby Aufnahmen oder Wiedergabe fremder Bänder. Der Bandlauf ist aufgrund der relativ weit auseinander liegenden Köpfe, und insbesondere wegen der Metallführung am Löschkopf, sehr kritisch gegenüber Höhe, Azimuth und verkippen. Die Spurhöhe lässt sich zum Beispiel nicht mit den bekannten Trackheight tapes von Nakamichi einstellen. Das funktioniert ausschliesslich über genaue Azimuthbänder, das heisst mindestens 12,5Khz, besser 15Khz tapes.

Fremdbandwiedergabe ist deshalb auch nur mit hochwertigen Shells, guten Aufnahmen und entsprechendem perfekten Azimuth möglich. Das Gerät verzeiht im Bandlauf nicht den geringsten Fehler !

Was dem Gerät mit Sicherheit zu einem grossen Teil zu seinen guten "Ruf" verholfen hat, ist der Wiedergabekopf von Canon mit dem für Sendust sehr hohen Q=3.7 bei 10kHz. Dieser Kopf wurde später als "bigger gap grade" auch im NAD 6100 als Kombikopf eingesetzt und sorgt dort für eine, für ein Zweikopfdeck schon spektakulär zu nennende, Aufnahme/Wiedergabe Qualität. Alle Tandberg Kassettenrecorder basieren auf der zugekauften Lizenz eines Sony Patent von 1972:

US 3949422 A

 

Die Sony Kopfbrücke (22) aller Tandberg Geräte mit Löschkopf (114E) in der linken Bandführung

 

Sony Patent 1972Sony Patent 1972

 

 Das Sony Laufwerk der Tandberg TCD 300/400er Reihe mit den drei Motoren und Doppelcapstan

 

Laufwerk Patent von Sony 1972Laufwerk Patent von Sony 1972

 

 

Nakamichi hat für seine 1000/700er Serie, ebenfalls ein Sony LW verwendet, das des Sony TC 177 SD

Die "Tandberg Radiofabrik" Magnetbandtechnik mit den zugehörigen Lizenzen, unter anderen auch das Sony LW mit dem charakteristischen Löschkopf in der linken Bandführung, wurde nach der Pleite 1978 mit dem tragischen Selbstmord des Firmengründers Vebjørn Tandberg, 1979 an Siemens (51%) verkauft. Tandberg belieferte damals die Datensparte von Siemens mit Datenlesegeräten. Siemens musste unbedingt einen gerade erteilten 15Millionen DM Auftrag sicherstellen, und hat dazu die gesamte Magnetbandtechnik in die neue Firma Tandberg Data überführt. Bestandteil des Siemens-Tandberg-Data deals mit dem norwegischen Staat, war es auch die sich jetzt zu 100% im Staatsbesitz befindliche, neue "Tandberg" SA weiter mit Tapedecks zu beliefern. Dazu wurde der Konsumer Tapedeckbereich mit der Entwicklungsabteilung bei der hauseigenen ITT eingegliedert. 1984 wurde dann wieder umgruppiert und die gesamten Tandberg Konsumeraktivitäten in der neuen "Tandberg Audio" mit der Hauptfabrikationsstätte in Nittedal gebündelt. Eigentümer war zuletzt die Plattenfirma "Akers Mic", die 1999 abgewickelt wurde.

Tandberg Tapedecks sind dann ab 1980 von der neuen Tandberg SA in Kjeller, nahe Oslo nur noch endmontiert worden und gehörte genau wie die Entwicklung zu 51% der ITT. Die Baugruppen der Tapedecks der 30xx und 9xx Serie lies man wesentlich kostengünstiger bei dem asiatischen OEM Lieferanten der ITT-Siemens Data Gruppe, Sanyo fertigen. Den 3004 noch als nahezu eigenständiger Tandberg Entwurf, der TCD 3034/ITT3020 ist dann 1981 als Vorläufer des 3014 mit all den bekannten Designmerkmalen erschienen und in Malaysia gefertigt worden. Der 3014 ist wie der 3034, auf den selben Reißbrettern in Fernost entstanden auf denen zwei Jahre später, Tandberg Audio war 1987 schon wieder pleite und die DynEQ Lizenz offensichtlich Bestandteil der Konkursmasse, auch der NAD 6300/6100 das Licht der Welt erblickte. Die Gemeinsamkeiten sind unüberseh- und auch unüberhörbar.

Herausgekommen ist ein einzigartiges mittels diverser Motoren und vieler Kopplungsriemen angetriebenes LW. Grösstes Manko ist die enorme einseitige Zugbelastung der Wickelmotoren die deren Lager extrem belastet und verschleisst (Reparaturthread). Um die Simplizität ein wenig zu kompensieren hat man die grössten bekannten Schwungmassen bei Tapedecks verwendet und sich eine komplizierte Bandzugsteuerung, inklusive Titelsuchlauf ausgedacht. Beim Gehäuse des 3014 hat man sich dann im schon vom 3034 bekannten Sanyo Baukasten bedient. Die Gehäuse sind mit 45x16cm Frontplattengrösse dieselben, die Sanyo auch schon für die US Marke B.I.C. verwendet hat. Dieses "Spargehäuse" ist komplett das Gegenteil der aufwendigen Nakamichi's mit ihren Barebone-Rahmen und oberen und unteren Abdeckplatten, die einen einfachen Zugang zur Elektronik ermöglichen. Beim Tandberg muss das halbe Deck zerlegt werden um an das Mainboard heran zu kommen. Auch das Frontplatten Layout ist ganz im Sanyo "Haus-Stil" gehalten. Sanyo hat die eingekaufte Sony Kopfbrücke der Tandbergs auch in viele andere OEM Geräte (Marantz, ITT, Phase Linear, Mitsubishi etc) verbaut. Gefertigt wurde der 3014 dann ab 1985 wieder in Nittetal bei der neugegründeten "Tandberg Audio".

Die 1985 paralell erschienene proffesionelle 900er serie war dem Musikassettenboom in den USA geschuldet und wurde von Tandberg of America in Armonk NY, bei der "neuen" Tandberg Audio SA initiert. Das ein Tapedeck wie das 911 als reines Playback Deck auch bei Profis nur selten geordert wurde, liegt in der Natur der Sache und erklärt den geringen Verbreitungsgrad. Man wird auch den Verdacht nicht los das die Tandberg-Oberen als Antipode zum frisch heraus gekommenen Nakamichi CR7 unbedingt auch ein Tapedeck mit einstellbaren Wiedergabe Azimuth im Programm haben wollten. Über Sinn oder besser Unsinn der Ausführung lässt sich trefflich streiten. Allerdings ist der Bandlauf dermaßen empfindlich das es Pflicht wäre das von aussen einstellbar zu machen. Gerade im Profibereich ist sowas unverzeihlich. Es gibt auch Gerüchte die sagen das es sich um simple "Resteverwertung" gehandelt haben könnte, da nicht mehr alle Platinen und Bauteile (Köpfe) verfügbar waren nach dem zweiten Konkurs 1987.

Das die Preise zumindest in Europa für diese Tapedecks damals wie heute, jeder Grundlage entbehren, versteht sich von selbst. Man hat das Gefühl, das der neue Besitzer Siemens, über den Preis versuchte seine Kosten der Tandberg-Data Übernahme zu refinanzieren. Tapedecks waren zu Beginn der 80er Jahre angesagt wie heute Smartphones. Wie bei Plattenspielern und MC Systemen heute noch üblich, hat man wohl über den Preis versucht eine besondere Art von Qualität zu suggerieren und nebenbei die ständig klammen Kassen zu füllen. Die Bredouille der Tester von damals ist schon fast physisch greifbar, der werten Leserschaft nicht zu sagen das dieses Tapedeck für über 5000DM Neupreis, sagen wir mal "schwierig" ist. Die Beschreibung der Testergebnisse für das 3014 sind entsprechend äußerst fantasievoll gehalten, wie: "...bei Verwendung der richtigen Kassette überzeugt das Gerät auch klanglich....". Auch die aktuellen sehr "euphorischen" Kommentare im Internet sind wohl eher dem heutigen, immer noch völlig überzogenen Gestehungspreis zuzuschreiben. In den USA, dem Nakamichi Hauptmarkt gab es 1984 das 3014 übrigens zum "Kampfpreis" von nur 1395$. Der Vorgänger 3004 wurde noch für 2395$ angeboten. Zum Vergleich : Dragon=2455$, NAD 6300=899$ ! Mein eigener Tandberg 3014 war ein Garagenfund in entsprechendem Zustand und Preis. Aber allein die mechanische Säuberung und Aufarbeitung hat dann auch inklusive Drehbankbesuch der Capstanschwungmassen+Pulley mehrere Wochen gedauert bis es dann von Herrn Schmidt vom Tandberg Zentralservice Deutschland neu kalibriert werden konnte. Nach insgesamt 14 Monaten hatte ich es wieder.

 

Zum Schluss ein kleiner Tip : viele machen den Fehler zum Vorband-Hinterband Vergleich den Schalter am jeweilgen Deck zu benutzen. Die Hersteller "tricksen" einen da fast immer aus indem man das "Vorband" Signal hinter der relativ komplexen Aufnahmeelektronik abgreift und nicht am viel saubereren Eingang. Da die Wiedergabeseite eines Decks aber vom Wesen her grundsätzlich einfacher und somit auch hochwertiger ist, wird man beim schalten am Gerät kaum einen Unterschied hören können. Deshalb immer den Monitorschalter am Vorverstärker für Vergleiche nutzen ! Nur da wird wirklich zwischen Quelle und Aufnahme umgeschaltet. Der Unterschied zwischen beiden Methoden ist ab und an schon fast dramatisch zu nennen wie zB beim Revox B215.....aber das ist eine andere Geschichte !