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 .....und was ist mit dem Tandberg 3014 ?

 

 

In der Schule würde man sagen : Durchgefallen ! Der Tandberg krankt an seiner unlinearen Aufnahme-Wiedergabekurve. Auch der so viel gelobte Bass leidet bereits bei knapp unter 40Hz an starker Welligkeit mit ensprechendem Abfall, wie man sie eigentlich nur von Kombiköpfen kennt. Der CR7 ist durch den "pressure pad lifter" gegen diese Art von Kopfspiegel Resonanzen weitestgehend immun. Diese nach oben abklingenden Welligkeiten beim 3014 reichen bis ca. 100Hz und gehen mit Phasendrehungen einher was eine gute Raumabbildung verhindert. Zum besseren Vergleich hier mal ein paar Plots aus einem zeitgenössischen Test von Nakamichi CR7, Tandberg 3014A, Revox B215 und Luxman K109.

 

Test 1988Test 1988

 

Warum Tandbergs bei vielen so "beliebt" sind erkennt man an der Mittelton/Präsenzüberhöhung bei hochwertigen chrom und metal cassetten. Der Laie würde "Röhrensound" dazu sagen. Mit normal tapes sieht man eine schon sehr "ordentliche" Grundtonwärme im Plot ! Mit Billig tapes gehts im Hochton nur noch abwärts....Tandbergliebhaber mögen deshalb auch kein Dolby ! Dolby verdoppelt, vereinfacht gesagt, alle Frequenzgangfehler. Eine Dolbyaufnahme hört sich daher immer grausam an auf einem 3014. Es bedarf schon eines ausgefuchsten Profi und des intensiven Abgleichs auf eine einzige Bandsorte um auch nur an den Einsatz von Dolby-B denken zu können. Dolby-C ist eigentlich überhaupt nicht nutzbar ! Das einzige für mich positive und was dem Gerät mit Sicherheit zu einem grossen Teil zu seinen guten "Ruf" verholfen hat, ist der Wiedergabekopf von Canon mit dem für Sendust sehr hohen Q=3.7 bei 10kHz. Dieser Kopf wurde später als "bigger gap grade" auch im NAD 6100 als Kombikopf eingesetzt und sorgt dort für eine, für ein Zweikopfdeck schon spektakulär zu nennende, Aufnahme/Wiedergabe Qualität. Alle Tandberg Kassettenrecorder basieren auf der zugekauften Lizenz eines Sony Patent von 1972:

US 3949422 A

 

Die Sony Kopfbrücke (22) aller Tandberg Geräte mit Löschkopf (114E) in der linken Bandführung

 

Sony Patent 1972Sony Patent 1972

 

 Das Sony Laufwerk der Tandberg TCD 300/400er Reihe mit den drei Motoren und Doppelcapstan

 

Laufwerk Patent von Sony 1972Laufwerk Patent von Sony 1972

 

 

Nakamichi hat für seine 1000/700er Serie, ebenfalls ein Sony LW verwendet, das des Sony TC 177 SD

Die komplette "Tandberg Radiofabrik" Magnetbandtechnik mit den zugehörigen Lizenzen, unter anderen auch das Sony LW mit dem charakteristischen Löschkopf in der linken Bandführung, wurde nach der Pleite 1978 mit dem tragischen Selbstmord des Firmengründers Vebjørn Tandberg, 1979 an Siemens (51%) verkauft. Tandberg belieferte damals die Datensparte von Siemens mit Datenlesegeräten. Siemens musste unbedingt einen gerade erteilten 15Millionen DM Auftrag sicherstellen, und hat dazu die gesamte Magnetbandtechnik in die neue Firma Tandberg Data überführt. Bestandteil des Siemens-Tandberg-Data deals mit dem norwegischen Staat, war es auch die sich jetzt zu 100% im Staatsbesitz befindliche, neue "Tandberg" SA weiter mit Tapedecks zu beliefern. Dazu wurde der Konsumer Tapedeckbereich mit der Entwicklungsabteilung bei der hauseigenen ITT eingegliedert. 1984 wurde dann wieder umgruppiert und die gesamten Tandberg Konsumeraktivitäten in der neuen "Tandberg Audio" mit der Hauptfabrikationsstätte in Nittedal gebündelt. Eigentümer war zuletzt die Plattenfirma "Akers Mic", die 1999 abgewickelt wurde.

Tandberg Tapedecks sind dann ab 1980 von der neuen Tandberg SA in Kjeller, nahe Oslo nur noch endmontiert worden und gehörte genau wie die Entwicklung zu 51% der ITT. Die Baugruppen der Tapedecks der 30xx und 9xx Serie lies man wesentlich kostengünstiger bei dem asiatischen OEM Lieferanten der ITT-Siemens Data Gruppe, Sanyo fertigen. Den 3004 noch als nahezu eigenständiger Tandberg Entwurf, im Gegensatz zum 3014 der auf den Reißbrettern in Fernost entstanden ist. Herausgekommen ist dabei ein skuriles mittels diverser Motoren und vieler Kopplungsriemen angetriebenes LW. Um die Simplizität ein wenig zu kompensieren hat man die grössten bekannten Schwungmassen bei Tapedecks verwendet und sich eine komplizierte Bandzugsteuerung, inklusive Titelsuchlauf ausgedacht. Beim Gehäuse des 3014 hat man sich dann im Sanyo Baukasten bedient. Die Gehäuse sind mit 45x16cm Frontplattengrösse dieselben, die Sanyo früher schon unter anderem, für die US Marke B.I.C. verwendet hat. Auch das Frontplatten Layout ist ganz im Sanyo "Haus-Stil" gehalten. Gebaut wurden sie in den asiatischen Werken in Taiwan und Korea, die auch die Datenlesegeräte für Tandberg Data herstellten. Sanyo hat die eingekaufte Sony Kopfbrücke der Tandbergs auch in viele andere OEM Geräte (Marantz, ITT, Phase Linear, Mitsubishi etc) verbaut. Der Tandberg 3034/ITT3020 ist ein schönes Beispiel für den verwendeten Sanyo-Tandberg Baukasten. Sanyo hat sich für seine OEM Kundschaft mit eigenen hochwertigen Tapedecks, genauso wie Sankyo immer stark zurück gehalten. Es gibt daher nur ein einziges Dreikopfdeck unter dem eigenen Label, das Sanyo RD5372 von 1979.

Die 1985 erschienene proffesionelle 900er serie war dem Musikassettenboom in den USA geschuldet und wurde von Tandberg of America in Armonk NY, bei der "neuen" Tandberg Audio SA initiert. Das ein Tapedeck wie das 911 als reines Playback Deck auch bei Profis nur selten geordert wurde, liegt in der Natur der Sache und erklärt den geringen Verbreitungsgrad. Man wird auch den Verdacht nicht los das die Tandberg-Oberen als Antipode zum frisch heraus gekommenen Nakamichi CR7 unbedingt auch ein Tapedeck mit einstellbaren Wiedergabe Azimuth im Programm haben wollten. Über Sinn oder besser Unsinn der Ausführung lässt sich trefflich streiten....Gerüchte sagen das es sich auch um simple "Resteverwertung" gehandelt haben könnte, da nicht mehr alle Platinen und Bauteile (Köpfe) verfügbar waren nach dem zweiten Konkurs 1987.

Das die Preise zumindest in Europa für diese Tapedecks damals wie heute, jeder Grundlage entbehren, versteht sich von selbst. Man hat das Gefühl, das der neue Besitzer Siemens, versuchte über den Preis seine Selbstkosten der Tandberg-Data Übernahme zu refinanzieren. Tapedecks waren zu Beginn der 80er Jahre angesagt wie heute Smartphones. Wie bei Plattenspielern und MC Systemen heute noch üblich, hat man wohl über den Preis versucht eine Art von Qualität zu suggerieren die schlicht nicht da war. Die Bredouille der Tester von damals ist schon fast physisch greifbar, der werten Leserschaft nicht zu sagen das dieses Tapedeck für über 5000DM Neupreis, mit einer Null weniger nur 500DM Mittelklasse ist. Die Beschreibung der Testergebnisse für das 3014 sind entsprechend äußerst fantasievoll gehalten, wie: "...bei Verwendung der richtigen Kassette überzeugt das Gerät auch klanglich....".Was ist das denn ? Auch die aktuellen sehr "euphorischen" Kommentare im Internet sind wohl eher dem heutigen, immer noch völlig überzogenen Gestehungspreis, als der wahren Qualität zuzuschreiben. In den USA, dem Nakamichi Hauptmarkt gab es 1984 das 3014 übrigens zum "Kampfpreis" von nur 1395$. Der Vorgänger 3004 wurde noch für 2395$ angeboten. Zum Vergleich : Dragon=2455$, NAD 6300=899$ ! Mein eigener Tandberg 3014A war ein Garagenfund in entsprechendem Zustand und Preis. Aber allein die mechanische Säuberung und Aufarbeitung hat dann auch mehrere Wochen inklusive Drehbankbesuch in Anspruch genommen, bevor es von Herrn Schmidt vom Tandberg Zentralservice Deutschland neu kalibriert werden konnte.

In Wahrheit waren es relativ einfache Geräte von gerade mal 9,5Kg Gewicht. Für den teuren aber offensichtlich bereits geplanten Direktantrieb der 4 Achsen hat nach der Insolvenz offensichtlich das nötige Kleingeld gefehlt, anders ist dieser mittels diverser Vierkant Riemen über "normale" Kleinmotoren realisierte Ersatz, nicht zu erkären. Denn selbst mit den im Verhältnis riesigen Schwungmassen der Capstan's ist der Gleichlauf von gerade mal 0,11% nach DIN, nicht berühmt. Wie im "Mysterien-artikel" schon erklärt, ist pure Masse völliger Quatsch um guten Gleichlauf zu erreichen. Im oben zitierten Test ist er denn auch der schlechteste, bester ist der Revox mit 0,07% nach DIN. Zum Vergleich: Aiwa XK009 mit 0,036%DIN oder Dragon 0,03%DIN ! Und das mit im Vergleich zum 3014 winzigen Schwungmassen...

Jetzt fragt man sich, hört man so einen geringen Gleichlauffehler ? Ja das tut man ! Schlechterer Gleichlauf bedeutet nichts anderes als klangliche "Unschärfe". Alles klingt runder, auf Kosten von Auflösungstiefe und Transparenz. Wie klingt der TBerg 3014 nochmal ? Richtig...schön rund !

Eine dicke Aluplatte als LW Träger ? Jedes Nakamichi hat sowas ! Folienkondensatoren im Signalweg ? Nakamichi's CR7 hat ein komplett symmetrisches, DC gekoppeltes Layout ! Denn wer diese Seiten aufmerksam gelesen hat weiss jetzt ja, das es gerade die Koppelkondensatoren sind, die für Phasenverschiebungen und schlechte Gruppenlaufzeit in einem Gerät verantwortlich sind. Das Ergebnis sieht man ganz deutlich am Plot des 3014. Von den Austeuerungsanzeigen will ich erst gar nicht anfangen zu reden, ausser: sie sind völlig unbrauchbar ! Ein ASC 3001 (deutlich kleiner) mit seinen fast 15Kg ist da ein gänzlich anderes Kaliber und in einer Manufaktur in Handarbeit in Deutschland hergestellt. Die Aussteuerungsanzeige ist fast so gut wie bei einem Nakamichi T100. Einen Siebdruck auf den Platinen sucht man auch vergeblich, Handarbeit eben. Das ASC hält auch den Umspul-Weltrekord mit 31 Sekunden für eine C60, und nicht das Tandberg das ganze 8 Sekunden länger benötigt. Nicht das das wichtig wäre, aber es passt zu diesen vielen realitätsfernen Legenden die zu diesem Gerät kursieren. Man weiss da echt nicht woher der ganze Hype um dieses Gerät herum kommt ?

 

Zum Schluss ein kleiner Tip : viele machen den Fehler zum Vorband-Hinterband Vergleich den Schalter am jeweilgen Deck zu benutzen. Die Hersteller "tricksen" einen da fast immer aus indem man das "Vorband" Signal hinter der relativ komplexen Aufnahmeelektronik abgreift und nicht am viel saubereren Eingang. Da die Wiedergabeseite eines Decks aber vom Wesen her grundsätzlich einfacher und somit auch hochwertiger ist, wird man beim schalten am Gerät kaum einen Unterschied hören können. Deshalb immer den Monitorschalter am Vorverstärker für Vergleiche nutzen ! Nur da wird wirklich zwischen Quelle und Aufnahme umgeschaltet. Der Unterschied zwischen beiden Methoden ist ab und an schon fast dramatisch zu nennen wie zB beim Revox B215.....aber das ist eine andere Geschichte !