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Musikassetten taugen nix oder ?

 

 

Meine Erfahrung mit diversen Tapedecks unterschiedlichster Qualität und ca. 1500 bespielten "prerecorded" Musikassetten ist:

Je hochwertiger und präziser und ganz wichtig mit hoher relativer Auflösung, typischerweise 120µ chrome, die Musikassette aufgenommen wurde, je eher fällt sie auf, sagen wir nicht 100% korrekt eingestellten Decks, durch Höhenabfall auf. Mittelmässig auflösende Musikassetten klingen aber kurioserweise überall gleich gut.

Woran liegt das ?

Am deutlichsten wird das wenn man sich bildhaft vor Augen führt wie die Magnetisierung vom Band am Aufnahmekopf passiert, je hochwertiger der Kopf, noch dazu mit höherer oberer Grenzfrequenz, je schmaler wird auch der magnetisierte Bereich auf dem Band. Bei "einfachen" Rekordern ist durch den weniger fokussierenden Aufnahme Kopfspalt auch dieses für den Azimuth wichtige senkrechte Magnetisierungsfenster auf dem Band, der im Grunde durch die Spaltgrösse des Aufnahmekopfes vorgegeben ist, breiter und ist daher bei der Wiedergabe sagen wir, einfacher zu "treffen". Er darf innerhalb des Fensters schwanken und hat trotzdem keinen Höhenabfall. Je kleiner das Fenster auf dem Band, je genauer muss der Azimuth eingestellt sein. Das hängt direkt von der Grösse des Spalts auch im Flächenmaß ab. Durch winzige Trackingfehler kommt es sofort zu Höhenverlust. Erschwerend kommt hinzu das es umso mehr Trackingfehler geben kann, je mehr Berührungspunkte (Köpfe, Capstan, Führungen) das Band hat, BASF hat das in seinem Manual zum "Calibration Mechanism" sehr gut beschrieben. Auch dieser Doppel Buckel bei einer wesentlich niedrigeren Frequenz (einfacher Rekorder) lässt sich rechts im Bild gut erkennen.

 

 

Rechts der zweite PegelbuckelRechts der zweite Pegelbuckel

 

Ich habe sogar tapes (siehe Bilder) von 1978 bei denen das NAAC des Dragon dicke Backen macht, es im CR7 aber sogar genau bei "0" der manuellen Azimuthanzeige abgespielt wird. Da zeigt das das Tape magnetisch korrekt bespielt wurde. Nur das Gehäuse hat extremen Einfluss und sorgt durch misstracking für dumpfen Klang auf Decks mit extrem kleinen Spalt wegen der wesentlich kleineren Toleranz dieser Decks. Man kann hier am Beispiel gut erkennen das das Band nicht mittig läuft:

 

Tracking ErrorTracking Error

 

 Teldec 1978Teldec 1978

Bei Nakamichi ist man deshalb von den sehr kleinen Spaltgrössen mit 0,6µ abgekommen und hat bei der CR Seire mit einen sehr guten Kompromiss zwichen maximaler Frequenz und Toleranz für kleinste Abweichungen in Azimuth gefunden. Das lässt sich wunderbar mit einfachen prerecordeds ausprobieren. Läuft dumpf auf den Classic drives aber ohne Murren auf den Sankyo LW !

Diesen Zusammenhang verstehen die wenigsten, der Ruf gerade von hochwertig gefertigten Musikassetten ist, in kompletter Verkennung der wahren Ursache, entsprechend schlecht.

 

 Aus einem Nakamichi Dragon Prospekt:

 

 AzimuthAzimuth

 

 

 

Anfangs der 80er Jahre hat sich die Entwicklung der Musikassetten rasant beschleunigt. Auslöser war das deutsche Unternehmen BASF, die in einer beispiellosen Kampagne und nicht ganz "uneigennützig" in Amerika von Label zu Label, und Hersteller zu Hersteller zogen um ihnen die Notwendigkeit einer genaueren Kalibrierung und einer exakteren Festlegung des Kassettenstandards schmackhaft zu machen. BASF kooperierte in den USA eng mit TEAC und bot jedem Label und den Geräteherstellern für ca. 1000$ eine Masterkassette an:

 

Die BASF Gehäuse Referenzkassette konnte man nicht kaufen. Mit ihr wurde auf 1µ genau Spritzgussformen für Kalibrierkassetten durch Friedrich Engel und sein Team bei BASF vermessen. Durch gezieltes verstellen an den Auflagepunkten liessen sich Fehler bewusst einbauen und nachvollziehen.

 

 

 

 

BASF Calibration Mechanism Kassette entwickelt von Klaus Goetz, diese kostete damals 1000$, und ungefähr einhundert davon wurden an Gerätehersteller, Label und Kopierwerke in den USA ausgegeben. Dolby Labs hat die Konformität zu dieser Kassette als Vorraussetzung für ihre Dolby-S Lizenz gemacht. Die ITA (Normungsbehörde) hatte natürlich auch eine. Auf dem Band waren ein 12,5Khz Ton zur Azimutheinstellung Wiedergabekopf und 20m leer zum einstellen des Aufnahmekopfes. Die Bänder konnten zusammen mit dem geschraubten Deckel getauscht werden. Es gab Typ I,II und IV mit enstsprechend anderen Kennungen im Deckel hinten. Das Gehäuse war präzisionsgedreht und musste aus Genauigkeitsgründen unbeschichtet bleiben.

 

 

 

 

 

Damit begann in Amerika das erfolgreichste Jahrzehnt der Musikassette.

WEA (Warner/Electra/Atlantic) hatte zwei grosse Kopierwerke, Specialty Records in Olyphant, PA, und Allied in LA. Ihr Chief Engineer Marvin Bornstein war ein echter "Audiophiler" würde man heute sagen. Sie hatten die höchsten Qualitätsansprüche und waren die ersten die das von Concept Design erfundene digitale Kopierverfahren DAAD übernahmen ! Sie benutzten dafür die hochwertigsten verfügbaren FeO² pancakes und produzierten damit Millionen von hochwertigen Musikassetten für ihr Label. WEA waren auch die einzigen die das Digital Bin Verfahren als hochqualitative "Digalog" Kassette bewarben.

Es gab auch unhabhängige "freie" Kopierwerke die für die unterschiedlichsten Label mit hochwertigen BASF Pancakes Musikassetten produziert haben. Wie zB American Multi-Media, (Concept Design and AMI waren deren bekannteste Kunden) Electrosound, ein Kopierwerk das von Geräteherstellern betrieben wurde und Cinram. Ihr Hauptwerk war in der Nähe von Toronto, dann hatten sie noch eines in Richmond, IN, und in Huntsville, Alabama. Cinram benutzte normalerweise BASF tapes aber auch Aurex und SKC, und die Qualität ihrer Kassetten für Kunden die wie A&M, keine eigenen Kopierwerke hatten, war oftmals besser als die von Electrosound oder Haupauge-Tape vertrieben wurden.

Das waren die führenden Kopierwerke in Sachen Qualität. Sie alle arbeiteten für A&M, Windham Hill oder American Grammophone und viele andere. Diese drei Kopierwerke waren bekannt für die herausragende Qualität ihrer Kassetten. Dann gabs noch in New Jersey mit dem Mastermind Julius Konins an der Spitze, ein kleines Kopierwerk das sich mit hervorragenden und selbst konstruierten Kopiermaschinen auf Kleinstserien spezialisiert hatte.

Die kanadische Audio Magnetics war Isidore Philosophe's Firma. Ihm und seinen Bruder gehörte auch Cinram. Für Audio Magnetics heuerten sie Dave Rubenstein von Agfa als Leiter Qualität an, und Dave machte dort einen sehr guten Job. Sie bezogen ihre BASF Pancakes direkt aus Willstaedt in Deutschland, und nicht aus dem BASF Werk in Bedford, MA. Bedford half den Kanadiern nur aus wenn es knapp war, wie zB bei dem Bruce Springsteen "Greatest Hits" Album auf C-90 Chrome. Für die US Version benutzte Columbia sein eigenes FeO² Material. Das teure Chrome wurde meistens nur auf Wunsch des Künstlers verwendet. Einige Künstler wie Bruce Springsteen oder Barbara Streisand bestanden auf dem besten Material für ihren Alben.

Das schlechteste Kopierwerk in den USA aus Qualitätssicht war das von MCA/Universal in Gloversville, NY. Ende der 80er wechselte man den Qualitätsleiter aus, Peter Scifres hat das dann in die Hand genommen und teure FeO² Material und neue Digital Bin Loops in die Fertigung eingeführt um zu retten was noch zu retten war.

All diese Kopierwerke benutzten high-speed Duplikatoren. Alle zugehörigen Digital-Bin Slaves hatten HX-Pro und waren damit  "normalen" real-time Kopierern in allen Belangen überlegen. Die Kopierwerke in real-time mit dem besten Ruf waren die von Mobile Fidelity (MFSL), Telarc, und Resolution in Burlington, VT die Revox Bänke benutzte.

Mobile Fidelity kopierte mit 100x JVC KD A77 decks die Dank ihrer 15 Volt Betriebsspannung in der Lage waren den hohen Biasstrom für die BASF ProII Chromes zur Verfügung zu stellen. Umgerüstet mit LF353 Opamps liessen sich mit den originalen Sendustköpfen eine Bandbreite von bis zu 40Khz erzielen. Diese Decks wurden äusserst genau mit BASF Kalibriertapes auf IEC2 (1981) eingestelllt. Damit wurde zB "Darkside of the Moon" als MFSL kopiert. Gregg Schnitzer hat sehr eng mit BASF kooperiert. Es wurde nur bestes Chromdioxid tape verwendet. Die Shells hat Schnitzer selbst entworfen und von Plastech/Australien nach seinen Entwürfen bauen lassen. Es wurden echte Mu Metall Abschirmungen verbaut, sogar die Lagerachsen der Umlenkrollen waren aus Mu-metall. Das klare Polycarbonat Gehäues hatte den Vorteil das es nicht bleibend verformt werden konnte. Egal wie krumm es gelegen hat, es ging immer wieder in die Ursprungsform zurück. Die Geschichte der MFSL Cassetten erzählt von Gregg Schnitzer persönlich mit einmaligen Bildern kann man im Webarchiv nachlesen !

 

MFSL AnnonceMFSL Annonce

 

 

 

Die erste Chrome Kassette noch mit 70µ EQ war von A&M "Famous Last Words" von Supertramp, als Sting dieses tape bei einer Vorführung bei A&M hörte, bestand er darauf das nächste Police Album ebenfalls in Chrome herauszubringen. Mit "Synchronicity" kam dann die erste Chrome mit 120µ EQ auf den Markt. Der Vorteil der 120µ waren das um 4,5 dB verringertes Rauschen plus 4,5dB mehr SOL bei 10Khz. Bob Piselli und Terry O'Kelly von BASF USA drängten Marvin Bornstein von A&M es unbedingt mit 120µ zu versuchen und der Erfolg von "Sychronicity" bescherte ihm damit einen Platz in den Geschichtsbüchern. Man konnte den A&M Leuten es auch deshalb schmackhaft machen, weil sie keine anderen Gehäuse mit Chrome Kennung brauchten. In Verbindung mit der späteren Digital Bin-HX-Pro Technik war das ein Quantensprung bei der Qualität. Das erste mal durfte man eine Musikassette als "Audiophile" bezeichnen. Walter Derendorf und andere von seinem Labor in Deutschland waren massgeblich an den diversen Vorbereitungen und Produktionstests bei A&M beteiligt. BASF benutzte übrigens seit den 80er Jahren diverse ASC 3001 Tapedecks als Entwicklungsträger für ihre Kassetten in ihrem Tonband Labor in Mannheim. Natürlich besaß man auch Nakamichi Dragon und ZX9 als Referenzen.

BASF unterstützte das 120µ Chrome Marketing mit Werbeaktionen in Shopping Malls und Plattenläden und befragte Leute ob sie im Blindtest einen Unterschied hörten, zwischen einer high-speed LH und Chrome ? Acht von Zehn lagen richtig und bevorzugten Chrome. Daraus entstand eine preisgekrönte landesweite Anzeigenkampagne unter anderem im Billboard Magazin. TDK versuchte den Erfolg der BASF zu torpedieren indem sie TDK SA bei Specialty Records (Sheffield) ins Rennen brachten, was sie stolz auf der Winter Consumer Show verkündeten. Aber nach wenigen Monaten war der Spuk vorbei, die Bänder liefen schlecht und hinterliessen Rückstände. Der Anspruch im Profibereich weicht eben doch erheblich vom normalen Konsumenten ab.

Die Firma Music Connoisseur Societies INSYNC Lab hat später auch auf BASF Chrome mit Dolby-C in real-time auf Nakamichi 682ZX Bänken kopiert. Das Material auf den Pancakes war das single coated BASF Chrome (Extra) bis etwa 1993. Danach kam das ebenfalls single coated BASF Chrome (Plus) mit einen Kobaltanteil von ca. 15%.

Telarc hat TDK SA wegen der möglichen geringeren Verzerrungen bei höherer Aussteuerung verwendet. Sie bewerteten das geringere Rauschen und Modulationspumpen von Chrome als zweitrangig für die Klangqualität ihrer Kassetten.

Bei Capitol führte Sandy Richman die "XDR" Technik ursprünglich ein um die Qualitätsprobleme mit ihrem eigenen Bandmaterial in den Griff zu bekommen. Alle XDR Kassetten verwenden ein spezielles High Performance Gamma dotiertes FeO² Band. Dieses Band kam von Capitol Magnetic Products, ein Unternehmen von Capitol Records, Inc.". Das Band war entweder CS-1, oder GS-1, Capitol-intern genannt : "Capitol Shit" oder "Good Shit." CS-1 war ein Kobalt-Type I tape, GS-1 war das meist verwendete Standard Ferro. Der XDR prozess benutzte verschiedene Testtöne um zu erkennen ob das Band gut genug für einen gleichmässigen Frequenzgang und dropoutfreien Output war. In vielen Fällen war der obere Eckpunkt zu niedrig für eine gute Aufnahme. Die versprochenen "13dB" sind einmal die 10dB der Dolby Rauschunterdrückung, und weitere 3dB durch überspringen einer Kopierstufe im Masteringprozess. Das das verwenden von 1-inch analog loop bin Mastern einen Vorteil brachte, war schlichtweg gelogen. Die meisten high-end Kopierwerke jener Zeit gaben viel Geld für erstklassige 1/2 inch loop bins aus, nur die ältesten Geräte verwendeten da noch 1 inch analog loops. 1987 löste Paul West, Sandy Richman als Qualitätsleiter bei Capitol ab, man ging ebenfalls zu digital bin's über, drosselte die eigenen Pancake Produktion und verwendeten jetzt SKC tapes. Zur Sicherheit wurde für kurze Zeit das XDR Verfahren fortgesetzt, bis fest stand das die SKC tapes um soviel besser waren das man das XDR Programm einstellen konnte. Diese wenigen mit "XDR" auf SKC Material kopierten Kassetten sind heute ein echtes Highlight jeder Sammlung. Trotzdem waren WEA, Cinram, und Electrosound mit ihrer Qualität immer besser als alles was aus dem Capitol Kopierwerk Jacksonville, IL. kam.

Capitol war in den späten 1970ern und 1980ern in den USA ein grosser Pancake Lieferant und lag zu Beginn der 80er noch an zweiter Stelle hinter AGFA, litt aber wie beschrieben unter chronischen Qualitätsproblemen und die steigenden Kosten drängten sie später vom Markt. Seit 1985 hatte die BASF ihr neues Werk in Bedford,MA, in Betrieb und war schon 1987 Marktführer, und zusammen mit Aurex und SKC belieferten sie den Duplikatorenmarkt mit wesentlich besseren Bändern als Capitol.

Es gab drei Pancake Qualitäten für Duplikatoren von BASF: chrome, music ferro, und voice ferro. Es gab auch nur drei grosse Lieferanten für Pancakes, neben BASF noch TDK und Saehan Magnetic.

Chrome
BASF war Hersteller und Marktführer. SKC und Aurex benutzten DuPont Pigment, und ihre tapes wurden besser und besser, aber BASF produzierte noch bessere Pigmente, stabileres tape und vermarktete es sehr offensiv. Bei der Entwicklung von Chrome Plus, gab es einen grossen Dynamiksprung, die Wettbewerber hatten keine Chance mehr das zu kompensieren. BASF konnte nun ein wenig lächeln über die billigen Chrome von SKC, weil sogar die Arbeiter in der Produktion schnell mitbekamen wie gut das neue Chrome Plus war.

Music Ferro
Hier war die Sache enger. BASF LHD wurde nach dem Kauf von AGFA in München hergestellt als 649/949 Agfa. Es war ein grossartiges tape, aber SKC bot ein vergleichbares Material an: in eingen Dinge besser, in anderen etwas schlechter wie das LHD. Aurex ferric war genauso gut, hatte aber eine nicht ganz so konstante Qualität wie das tape von SKC und BASF. Im ferro markt bot BASF deshalb besonders guten Service an um ihre höheren Preise entsprechend zu rechtfertigen.

Voice Ferro
Das war die Hörbuch "Billig" Klasse, hier zählte nur der Preis. Für die Duplikatorwerke zählten dabei nur die Wickeleigenschaften und die gleichbleibende "Qualität" des Materials. Die BASF "Fans" der Werke benutzten deshalb das LNS tape wegen dem bekannt guten Service und der Ähnlichkeit des Materias. LNS war dem LHD sehr ähnlich, nur dünner beschichtet, auf einfacheren Trägermaterial. All das half die Kosten senken und BASF gab das voll an ihre Kunden weiter. SKC benutze ein anderes Pigment, als das was sie für Music im Einsatz hatten mit reduzierter Schichtdicke. Aurex benutzte hier ebenfalls BASF Pigmente.

 

 

KatalogKatalog

 

Nero Nakamichi gründete im Frühjahr 1984 die Pacific Cassette Laboratories. Hauptsächlich um die Qualitäten seiner Tapedecks auch mit entsprechend hochwertigen Musikassetten vorführen zu können. Für das "Nakamichi Reference Recording" mastering wurden originale digitale Studiomaster auf U-Matic ¾” tape von Delos, GRP, A&M und Telarc verwendet. Das Mastering fand im JVC Cutting Center, oder im Digi Prep Studio in Hollywood für den first generation 16 bit Transfer statt, Dan Hersch war der Engineer von vielen dieser Transfers. Einige A&M Transfers fanden auch im Mastering Studio vom Colombia Records Building statt. Für die Telarc Transfers war Bruce Leek zuständig. Für die Transfers wurden speziell modifizierte Betacam SP Decks in real-time benutzt. Sheffield Lab Transfers waren eine Sache für sich. Der grosse Doug Sax von "The Mastering Lab" höchstpersönlich hat diese durchgeführt. Sie wurden direkt vom unbearbeiteten 2-Kanal Studiomaster mit 76cm/s überspielt. Diese Mitschnitte sind paralell zum von Sheffield aufgezeichneten Direktschnitt entstanden. Das Aufnahme und Wiedergabe Tapedeck war Handarbeit von Doug’s Bruder Sherwood und ist im Mastering Lab Studio gebaut worden. Diese second generation Master wurden dann später für alle Nakamichi Reference Recordings benutzt. Alle sind in real-time in einem besonderen Duplikatorwerk entstanden: Eine Bank aus 30x so modifizierten Nakamichi ZX9 Recordern, das man mit entfernten Aufnahmesperren und mit einem automatischen Testton für Bias und Level, und fernbedienbaren Start/Stop arbeiten konnte. Die Kassetten wurden jedes mal von Hand eingelegt, simultan gestartet und der Bias/Level Ton abgespielt, dann jedes Deck einzeln von Hand kalibriert, die Bänder zurück gespult und die Aufnahme gestartet. Am Ende jeder Seite wurden alle Tapes von Hand gewendet und das Spiel begann von vorn. Wie man sich vorstellen kann war das bei den Sheffield Aufnahmen nicht so einfach. Das analoge 1” Reel to Reel tape musste eingefädelt und simultan mit den ZX9 gestartet werden. Man konnte immer nur eine Seite aufnehmen, dann musste man zurück spulen und das Masterband wechseln. Das für die Kassetten verwendete Bandmaterial kam direkt aus Japan von Nakamichis Hauslieferanten TDK. Es wurde aus der Mitte von handselektierten Pancakes geschnitten. Auch die Gehäuse waren selektiert, und wurden erst in einem lokalen Kassettenwerk mit den benötigten Längen eingespult. Später wurde auch mit klaren Gehäusen von Loran experimentiert, aber letztendlich waren die von TDK die besten. Gute Shells kamen zB auch von Lenco. Es wurde sowohl Dolby-B als auch C auf den Aufnahmen verwendet. Nach der ersten Serie mit 33 Titeln, gab es noch eine "weisse" Serie auf diesen ZX9 Bänken. Später hat Soundstream dann die Produktion von Nakamichi Reference Recordings übernommen.

 

Nakamichi Reference Recording CatalogNakamichi Reference Recording Catalog

 

Sheffield benutzte für ihre vom analogen 2-Kanal Master kopierten Musikassetten ebenfalls das Digital Bin Verfahren "DAAD" von Concept Design. Die Idee dazu hatte Bob Farrow (Concept Design) zusammen mit Richard Clark (AMI) und entwickelten daraus 1986 den ersten Digital Bin Kopierer der Welt. Als digitales Medium wurden zuerst Videobänder verwendet, später gab es Festplatten als Medium, die typische Geschwindigkeit war 80:1. Der grosse Vorteil der digitalen Speicher war, das durch das fehlende Hintergrundrauschen im Quellsignal das Band erst wesentlich später in die Sättigung kam, in Verbindung mit dem dynamisch gregelten Biasstrom vom zugehörigen Dolby HX-Pro ergab das einen sehr grossen Dynamikgewinn. Alle Digital Bin Slaves waren mit HX-Pro ausgerüstet, auch wenn man das später nicht mehr besonders erwähnt hat, weil es hatten ja eh alle. Durch die hohe Kopiergeschwindigkeit wird auch der W+F in Echtzeit in subsonische Bereiche verlagert und ist nahezu unhörbar. Diese Qualität hat eigentlich nur Nakamichi mit den ZX9 Bänken in real-time erreichen können. Die Kinderfaustgrossen Aufnahmeköpfe in den Digital Bin Slaves konnten Frequenzen im zweistelligen MHz Bereich händeln. Alle 4 Spuren wurden in einem Rutsch bespielt. Am Beginn und am Ende einer Sequenz wurden zumeist tieffrequente Tonmarkierungen gesetzt die von den Cuttermaschinen ausgelesen werden konnten. Sheffield benutzte am Anfang TDK SA mit 70µ EQ, auch WEA probierte das aus, hatte aber wie viele andere High-Speed Kopierwerke grosse Probleme mit den Pancakes, sie waren instabil, spulten schlecht und hinterliessen weisse Rückstände auf den Slave-köpfen. Nach nur 9 Monaten schwenkte man auch auf BASF FeO² Kobalt Pancakes um.

"Metal" konnte für high-speed Kopierer nicht verwendet werden, die Slaves waren nicht in der Lage den dafür notwendigen sehr hohen Bias Strom zu liefern. Die wenigen Metal Musikassetten sind daher alles real-time Kopien. Die meisten kleinen real-time Kopierwerke benutzten das einfache Nakamichi MR2 oder die noch günstiger zu bekommenden Konsumerversion davon, das BX125. Die besseren benutzten MR1, das war aber schon selten bei einem Stückpreis von 500$ den Nakamichi dafür verlangte. Auch Tascam wurden sehr viel eingesetzt. Das Signal konnte ohne grosse Verluste von Deck zu Deck über die Ein-, und Ausgangbuchse durchgeschleift werden, ebenso die Remotesteuerung über Buskabel. Üblich waren 50 bis 150 in einer Bank. Mit Hilfe der günstigen Nakamichi BX125 hatten einige Kopierwerke in guten Zeiten mancherorts sogar 300 davon in einer Bank.

Die Einführung der durchsichtigen Shells in Verbindung mit dem "eckigen" Reelfenster war besonders für die Verwendung in Fahrzeugen gedacht. Die damals verwendete Einschubtechnik in den meisten Autoradios hatte mit den (zu kleinen) runden Aussparungen Schwierigkeiten beim einfädeln der Wickeldorne. Überhaupt waren es die beliebten Kassettenradios in den 80er Jahre Neuwagen, die in den USA den Musikassetten Boom mit ausgelöst haben. Auch die Nobelhersteller konnten sich dem nicht entziehen. Nakamichi hatte für Lexus sogar mit dem TD1200 ein Oberklassenradio im Rennen das mit dem NAAC ausgestattet war. Ebenso Pioneer die ein Autokassettenradio mit manueller User Azimuthverstellung anboten. Cadillac baute Infinity ein.

Die besten Digital Bin Kopierer kamen von Otari und Lyrec. Digital Bin-HX-Pro Loops waren teuer, wurden aber in den 90ern schnell Standard. Hier mal die Daten von einem Otari 303 DP:

 

Otari DP303Otari DP303

 

 

The Otari DP-303 Digital Master Reproducer is a playback machine for a high speed duplication system for high quality pre-recorded audio cassette tapes.
The DP-303 plays digital audio signals from its solid state memory (SDRAM), there is no concern for tape jam or deterioration of sound quality due to repeated duplication often experienced on conventional loop-bin analog master tape players.
The DP-303 has been designed to be a replacement for analog master tape players and can connect to high speed slave recorders from Otari (DP-75, DP-55, etc.) or from other manufacturers. Two copy rates can be selected from 64x, 80x, 128x, and 160x according to slave recorders used with. (Copy rates should be specified when ordering. A single speed model is also available.)

  • Intuitive and easy operation using Otari original application software (for Windows 2000*)
  • Support for Compact Discs in CD-DA and WAVE Format
    (one CD can contain programs for sides A and B)
  • Maximum copy rate of 160x play speed for 44.1 kHz sample rate programs.
  • Support for networking. The DP-303 can connect to up to four PC's via Ethernet (100 Base/T). An external PC can be used as a controller (server) or a monitor.
  • CD-ROM drives and removable hard disk drives for master program acquisition.
  • Ample SDRAM capacity to cover long program equivalent to C-120.
  • Switching of Four Operation Mode Presets (copy rate, bias, EQ, Dolby HX Pro** on/off) (Compatible with DP-55, DP-75, and DP-95)
  • Cue tone oscillator with variable frequency and output level
  • Separate 4-channel buffer amplifier
  • Record signal output level adjustment in 1 dB steps
  • LED bar graph level meters
  • Monitor output for external powered monitor speakers
  • Automatic Stop based on the number of playback cycles or product count (with DP-75 or DP-205)

 

Specifications
Playback Speed 2 from 64x, 80x, 128x, 160x (One-speed machine is also available)
Number of Tracks 4 tracks, 4 channels
Digital Audio Data 44.1kHz, 16-bit linear PCM
Master CD Format CD-ROM (containing WAVE format files), CD-DA (containing CDA format files)
Master Program Loading Method CD-ROM Drive (40x speed), Hard Disk Drive (20 GByte), Via Ethernet
Master Program Loading Time
(C-60)
CD-ROM: 450 s, Hard Disk: 90 s, Via Ethernet (100 Base/T): 120 s
Record Output Signal Reference Output Level Output Level: 0 dBu (75Ω load)
Maximum Output Level: +20 dBu
Connector: BNC type (unbalanced, 4 channels x 2 sets)
Playback Frequency Response 64x/80x: 20 Hz to 20 kHz, +0.5/-1 dB
128x: 20 Hz to 18 kHz, +0.5/-1 dB
160x: 20 Hz to 15 kHz, +0.5/-1 dB
Dynamic Range approx. 96 dB
THD (0 VU (0 dB), @ 1 kHz) 64x/80x/128x: Less than 0.2%
160x: Less than 0.5%
Crosstalk Less than -70 dB (@ 1 kHz)
Level Control Range -∞, -20 to 0 dB in 1 dB steps
Level Meter 12-segment LED bar-graph peak meter x 4
Cue Tone Oscillator 10 Hz x 64, x 80, x 128, x 160 (freq. & level adjustable)
Monitor Output Frequency Response: 20 Hz to 20 kHz ±2 dB (1x)
Connector: Stereo mini jack
Slave Recorder
Remote Control Interface
Interface: Parallel
Control: START, STOP
Bias Selection: 1, 2, 3, 4
Equalizer Selection: 1, 2, 3, 4
Optional Function Selection (Dolby HX Pro): ON, OFF
Connector: D-Sub 25-pin (female) x 2
Dimensions (W x H x D) 580 x 546 x 510 mm (excl. monitor display)
Weight approx. 50 kg
Operating Environment Temperature:10 to 30°C, Relative Humidity: 20 to 80%
Storage Environment Temperature: -20 to 45°C, Relative Humidity: 10 to 80%
Power Supply 100/117/220/240 VAC ±5%, 50/60 Hz
Power Consumption 350 VA

 

Mein Dank geht an den ehemaligen Vertriebsleiter Nordamerika der BASF, der im TH forum noch aktiv ist, und den ehemaligen Chief Manager der Pacific Cassette Laboratories, ohne deren Erzählungen das alles heute längst vergessen wäre.